Was ist eigentlich die Dividende und warum ist sie so wichtig?

[Gastbeitrag von Ben von DIVANTIS]

Was sind Dividenden, welche Unterschiede gibt es und was ist dabei zu beachten? Eine Antwort auf diese Fragen erhalten wir im folgenden Beitrag von Ben von DIVANTIS. Viel Spaß beim Lesen!

Stell dir vor, eine Freundin bittet dich um einen Kredit für ihr neues Geschäft. Dann wirst du vermutlich fragen, wann du das Geld zurückbekommst und welche Zinsen sie sich vorstellen kann zu zahlen. So ist es üblich. Und ziemlich ähnlich verhält es sich an der Börse. Hier beteiligst du dich nur nicht am Geschäft deiner Freundin, sondern an einem Unternehmen, das deutlich größer ist. Und dein Geld gibst du nicht als Kredit, sondern als Eigenkapital, mit dem das börsennotierte Unternehmen arbeiten kann. Denn jede Aktie verkörpert einen Anteil an dem Unternehmen. Und für diesen Anteil erhältst du keine Zinsen, sondern eine Dividende. So viel kurz und knapp zum grundsätzlichen Verständnis.

Du willst mehr dazu wissen?

Jetzt öffnet sich ein breites Spielfeld: Voraussetzung für eine Dividende ist zunächst einmal, dass das Unternehmen einen Gewinn macht. Von diesem Gewinn zahlt dann das Unternehmen seine Steuern und hat dann sein Nachsteuer-Jahresergebnis. Und über die Verwendung dieses Betrages entscheiden dann die Aktionäre auf Vorschlag des Vorstands und Aufsichtsrats. Es gibt Unternehmen, die sehr erfolgreich damit sind, diesen Betrag komplett einzubehalten und nichts auszuschütten. Das Geld bleibt dann im Unternehmen und kann z.B. für weiteres Wachstum, Unternehmenskäufe oder auch Aktienrückkäufe genutzt werden. Berkshire Hathaway von Warren Buffett ist das bekannteste Unternehmen, das noch nie eine Dividende an seine Aktionäre ausgeschüttet hat.

Die meisten Unternehmen zahlen aber eine Dividende. Als Faustregel werden 30 bis 70% des Nachsteuer-Jahresergebnisses ausgeschüttet, der Rest verbleibt im Unternehmen.

Bei deutschen Unternehmen wird die Dividende einmal jährlich im Anschluss an die Hauptversammlung ausgezahlt. Das passiert automatisch über die Bank, bei der man die Aktien im Depot liegen hat. Die Dividende bekommt, wer die Aktien am Ende des Tages der Hauptversammlung im Depot hat. Am nächsten Tag wird die Aktie dann „exDividende“ gehandelt und ist im Kurs meistens so viel niedriger wie die Dividende beträgt. Ein paar Tage später kommt dann die Dividende aufs Konto. Genau wie Zinsen unterliegt sie in Deutschland der Kapitalertragsteuer, dem Solidaritätszuschlag und ggf. der Kirchensteuer. Wer seinen Freistellungsauftrag noch nicht verbraucht hat, erhält die Dividende ohne Steuerabzug.

Die Dividendenentwicklung von PepsiCo seit 2001

International gibt es einige Besonderheiten, vor allem in der Häufigkeit der Dividende. Bei US-amerikanischen Aktien ist eine quartalsweise Zahlung üblich. Da gibt es dann alle drei Monate eine Dividende, die aber natürlich auch nur ein Viertel der Jahresdividende beträgt. In anderen Ländern gibt es oft eine Vorabdividende und eine Schlussdividende, so dass man dann zweimal im Jahr eine Überweisung erhält. Leider fällt oft eine Quellensteuer auf Dividendenzahlungen aus dem Ausland an, die nicht in allen Fällen auf die deutschen Steuern angerechnet wird. Dadurch kann sich die Steuerbelastung erheblich verschlechtern. Irland ist ein solcher Fall, aber auch in Frankreich und Italien sind die Abzüge hoch. In der Schweiz (besonders beliebt durch dividendenstarke Unternehmen wie Nestlé, Novartis oder Roche) ist der Abzug zwar auch hoch, aber man kann sich relativ leicht per Antrag die Quellensteuer erstatten lassen.

 

Wie lassen sich nun die verschiedenen Unternehmen vergleichen?

Hierfür wurde die Dividendenrendite geschaffen. Damit kann man die Rendite einer Aktie mit der ansonsten erzielbaren Verzinsung vergleichen. Dazu wird die Dividende genommen und zum aktuellen Kurs der Aktie ins Verhältnis gesetzt. Das Ganze wird in Prozent ausgedrückt. Notiert eine Aktie bei 100 € und zahlt 2 € Dividende, dann beträgt die Dividendenrendite 2,0%.

Die Dividendenrendite sollte aber nie das alleinige Instrument sein, um eine Aktie als gut oder schlecht oder kaufwürdig oder nicht einzustufen. Dazu gibt es noch eine Vielzahl anderer Parameter, die Dividendenrendite ist nur ein Aspekt.

Für Menschen, die in Aktien investieren, um daraus ein Zusatzeinkommen zu generieren, sind Dividenden natürlich viel wichtiger als für Anleger, die eher auf Kurssteigerungen von Aktien setzen und durch kluges Kaufen und Verkaufen einen Ertrag erzielen möchten.

Für mich als Anleger, der beide Seiten betrachtet, sind Unternehmen, die ihre Gewinne stetig steigern, dadurch ihren Aktienkurs attraktiv machen und ihre Dividenden regelmäßig erhöhen, die Creme de la Creme. Dazu gehören die sogenannten Dividendenaristokraten: Unternehmen, die ihre Dividenden mindestens 25 Jahre lang ununterbrochen jedes Jahr erhöht haben! In Deutschland gibt es mit Fresenius nur einen einzigen Dividendenaristokraten, aber vor allem in den USA tummeln sich solche Aktien. Beispielhaft wären 3M (60 Jahre Steigerungen in Folge), Coca-Cola (56 Jahre), Johnson & Johnson (56 Jahre) oder Wal-Mart (45 Jahre) zu nennen.

Die Dividendenentwicklung von Johnson & Johnson seit 1972

Dividendenzahlende Unternehmen haben für mich noch einen psychologischen Vorteil: Selbst in Krisenzeiten zahlen sie in der Regel ihre Dividenden. Der Zahlungsfluss ist unabhängig von der Entwicklung des Aktienkurses. Gibt die Börse mal ein Jahr lang nach, sinkt zwar der Depotwert, aber die Dividendeneinkünfte bleiben stabil oder steigen gar. Schwache Phasen lassen sich dadurch gut aushalten. Und wirklichen Erfolg an der Börse hat man nur durch langfristige Anlage.

Euer

Ben

Finanzblogger von Divantis

 

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