Einfach erklärt: Was sind P2P-Kredite?

[GASTBEITRAG]

Auf der Suche nach tagesgeldübersteigenden Renditen stößt man immer häufiger auf P2P-Kredite. Wo sonst bekommt man so einfach Zinsen im zweistelligen Bereich? „P2P“ steht für „Peer-to-Peer“, also: von Privatperson(en) zu Privatperson. Ohne eine Bank zwischenzuschalten wird ein Kredit vergeben und der Kreditgeber erhält dafür einen bestimmten Zins.

Wer sich in Zentraleuropa Geld borgen möchte, wendet sich dafür normalerweise an seine Bank: Handelt es sich um kleinere Beträge, nutzen viele Menschen in Deutschland dafür einfach den Dispo (Dispositionskredit) und nehmen die durchschnittlich 10 Prozent Zinsen* für die Kontoüberziehung in Kauf. Wer eine höhere Summe benötigt, entscheidet sich in der Regel ebenfalls für das Angebot einer Bank und zahlt dieser einen bestimmten Zinssatz.

Wer zahlt freiwillig 14 Prozent und mehr für einen P2P-Kredit?

Nicht anders läuft es bei P2P-Krediten – mit dem Unterschied, dass man selbst die Rolle des Geldgebers einnimmt und keine Bank zwischengeschaltet wird. Sprich: Eine Privatperson, die Geld benötigt, erhält einen Kredit, der von einer oder mehreren Privatpersonen finanziert wird. Die Investoren dieses Kredits wiederum bekommen dafür einen bestimmten Zinssatz. Und da es nicht überall auf der Welt so einfach ist wie in Deutschland, einen Kredit von der Bank zu bekommen, hat sich aus diesem Modell ein stetig wachsender Markt entwickelt, der Investoren rund 8 bis 15 Prozent Zinsen (vor Steuern) einbringt.

Gerade im Baltikum, aber auch in vielen weiteren Ländern ist es mit sehr viel Bürokratie und kaum Aussicht auf Erfolg verbunden, sich kurzfristig Geld von einer Bank zu leihen. Wer schnell z. B. wenige hundert Euro braucht, um die Zeit bis zur nächsten Gehaltszahlung zu überbrücken, hat dort bei Banken schlechte Karten. Aber auch Unternehmen leiden unter den langsamen Mühlen und setzen lieber auf einen teureren P2P-Kredit, wenn dafür ein spannender Deal direkt unter Dach und Fach gebracht werden kann.

Aus diesem Grund nutzen nicht nur Privatpersonen P2P für Konsumausgaben, sondern auch immer mehr Geschäftsleute und Immobilieninvestoren schätzen die Möglichkeit, mit verhältnismäßig geringem Aufwand und in kürzester Zeit einen P2P-Kredit wahrzunehmen.

Wozu es P2P-Plattformen und Kreditanbahner braucht

Damit die Kreditnehmer mit den P2P-Kreditgebern zusammenfinden, tummeln sich jede Menge Kredit- und/oder Darlehensanbahner auf dem Markt, die sich um das komplette Procedere wie Kreditwürdigkeit, Risikoeinschätzung etc. kümmern. Und um es P2P-Investoren (Kreditgebern) möglichst leicht zu machen, haben sich wiederum zahlreiche P2P-Plattformen entwickelt, die die Kredite der verschiedenen Anbahner bündeln und dafür sorgen, dass man besonders leicht in die verschiedenen Kredite investieren kann. Die meisten Plattformen agieren rund um das Baltikum und sind bei deutschen Investoren mehrheitlich beliebter als deutsche P2P-Plattformen – hier muss sich in Punkto Rendite und Kundenorientierung noch einiges tun, um mit den baltischen Plattformen mithalten zu können.

Auf welche Art und Weise ein investierbarer Kredit letztendlich zustande kommt, unterscheidet sich von Plattform zu Plattform beispielsweise darin, ob die Kredite von den Anbahnern oder sogar der Plattform selbst vorfinanziert werden oder die Finanzierung durch die P2P-Investoren-Community live auf der Plattform zustande kommt (oder eben nicht, wenn sich nicht genug Investoren für den Kredit finden).

Auch das Investieren gestaltet jede P2P-Plattform ein wenig anders:

  • Mal kann man manuell in P2P-Kredite investieren, mal nur via Autoinvest
  • Oft gibt es eine sog. Buyback-Garantie, eine Art Ausfallschutz seitens der Plattform bzw. des Anbahners – andere bieten keine Buyback-Garantie, aber dafür eine höhere Rendite
  • Mal startet das Investitionsminimum bei 1 Euro pro Kredit, mal bei 10 Euro und selten bei 50 Euro
  • Mal liegt der Schwerpunkt der Plattform auf Konsumkrediten, mal eher auf Geschäfts- und Rechnungskrediten, mal kann man ausschließlich in Immobilienprojekte investieren – oder auch in all diese Kreditarten
  • Jede Plattform hat eine andere Zusammensetzung der Länder, aus denen die P2P-Kredite stammen

Die beliebtesten P2P-Plattformen dürften momentan sein:

Das Investieren funktioniert von Plattform zu Plattform unterschiedlich. Anleitungen finden sich u. a. auf Blogs (wie meinem J ) und in einschlägigen Facebook-Gruppen. Die P2P-Community geht dabei wunderbar offen mit den eigenen Erfahrungen um und hilft gerne weiter.

Diese Risiken geht man mit P2P-Investments ein

Nach den ersten Testballons habe ich meine Investments recht stark ausgebaut und investiere inzwischen auf zehn Plattformen in P2P-Kredite. Mit 10 Prozent meines Vermögens in breit diversifizierten P2P-Krediten bin ich vergleichsweise hoch investiert – geraten wird häufig zu 5 bis 10 Prozent. Denn beachten sollte man, dass es sich bei P2P-Krediten um sehr riskante Investments handelt. Auch, wenn mit Buyback-Garantien ein sicheres Gefühl vermittelt wird: Geht ein Kreditgeber pleite, macht die Plattform ihren Job nicht ordentlich oder ändern sich die (wirtschaftlichen) Rahmenbedingungen, sprich: zahlt der Kreditnehmer seine Schulden nicht und versagt der P2P-Apparat dahinter, kann man sein komplettes investiertes Geld verlieren.

In China beispielsweise boomte der P2P-Markt ebenfalls, bis er wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel. Und dass auch bei Plattformgrößen wie Mintos ein Kreditanbahner pleitegehen kann und damit fraglich ist, ob man jemals wieder etwas vom investierten Geld sieht, ist eine ganz reale Situation, die 2018 mit Eurocent bei zahlreichen Investoren Sorgenfalten verursacht hat. Aktuell wissen wir auch noch nicht, wie sich ein Crash auf die P2P-Welt auswirken wird – reagiert sie genau wie die Börse oder hält sie stand? Bondora beispielsweise wurde auf dem Höchstpunkt der letzten Weltwirtschaftskrise gegründet und ist bis heute eine der erfolgreichsten P2P-Plattformen.

Warum P2P-Kredite gratis, aber nicht kostenlos sind

Wer in P2P-Kredite investiert, muss sich dieser Risiken unbedingt bewusst sein. Da für dich als Investor auf manchen Plattformen bis zu 20 Prozent Zinsen möglich sind, kann man sich an einer Hand ausrechnen, dass man sich mit der Rendite ein ganz ordentliches Ausfallrisiko einkauft. Auf der anderen Seite sind zweistellige Zinssätze ein ansehnlicher Rendite-Boost für den Vermögensaufbau. Und da via Autoinvest ganz einfach thesaurierend und fast komplett passiv investieren kann, kommt auch der Zinseszinseffekt voll zur Wirkung.

Für das Investieren in P2P-Kredite fallen keine direkten Kosten für die Kreditgeber an. Sprich: Weder das Anmelden auf den Plattformen noch das Investieren in die Kredite kostet dich Geld. Dafür kommt aber auch nur ein Bruchteil der Rendite beim Investor an: Wenn du als Kreditgeber 11 Prozent Zinsen erhältst, zahlt der Kreditnehmer häufig ein Vielfaches. Von bis zu mittleren dreistelligen Zinssätzen war in der Vergangenheit die Rede, allerdings deckeln immer mehr Länder den Wucherzins – so beispielsweise Polen, deren Kreditzinsen neuerdings maximal bei 45 Prozent und bei kurzlaufenden Krediten bei maximal 32,5 Prozent liegen dürfen.

Da jedoch alle Kosten eingepreist werden, die bei Anbahnern und Plattformen rund um Fakturierung, Schuldeneintreibung und Administration anfallen, und sie obendrein auch noch etwas verdienen möchten, kommt beim Kreditgeber eben nur ein Teil des Gewinns an. Bis du als Investor also 12 Prozent Rendite erwirtschaftest, haben schon viele andere Leute am gleichen Kredit verdient. Übrigens sind die Einnahmen regulär in der Steuererklärung als Kapitalerträge anzugeben, genauso wie jede andere Kapitalanlage. Dadurch fällt eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent (zzgl. Soli und Kirchensteuer) an und in wenigen Ausnahmefällen eine Quellensteuer.

Liquidität: Wie komme ich im Notfall aus der Nummer wieder heraus?

Wie liquide man als P2P-Investor ist, kommt komplett auf die Plattform und die Kredite an und damit auf Deine Investment-Strategie. Klassischerweise investiert man am Anfang am liebsten nur in kurzlaufende Kredite: Wenn ein Kredit nur wenige Tage läuft und das investierte Kapital bindet, erhält man am Ende der Laufzeit sein Investment inkl. Zinsen – und kann sich dann entscheiden, ob man erneut (manuell oder automatisiert) das freigewordene Kapital in P2P-Krediten für sich arbeiten lässt. Sobald der Kredit und die Zinsen zurückgezahlt sind, ist man wieder liquide und kann das Geld von der jeweiligen Plattform abziehen.

Genauso verhält es sich mit langlaufenden Krediten, die das Kapital jedoch über mehrere Monate bis Jahre binden können. Investoren haben es jedoch selbst in der Hand, ob sie länger- oder kurzfristige Laufzeiten oder beides in das P2P-Portfolio aufnehmen. Wer kurzfristig wieder an sein Geld möchte, kann bei einigen Plattformen die investierten Kredite inklusive aller Verbindlichkeiten und Zinsen auf einem Sekundärmarkt verkaufen.

Meist fällt dafür ein kleinerer oder größerer Abschlag an – je nachdem, ob bereits ein Zahlungsverzug besteht und wie gerade die Nachfrage ist. Hat eine Plattform keinen Zweitmarkt, bleibt nur abzuwarten, bis die Kredite auslaufen und zurückgezahlt werden. Sind viele Kredite in Schieflage, muss man mit einem deutlich längeren Zeitraum rechnen, bis man sein eingesetztes Kapital (idealerweise plus Zinsen) vollständig zurückerhält.

Warum P2P kein Tagesgeldersatz ist

Wem das zu unflexibel oder unsicher ist, aber trotzdem an P2P interessiert ist, hat noch zwei Alternativen: Die Platzhirsche Bondora und Mintos bieten beide an, für einen deutlich niedrigeren Zinssatz und vollautomatisch den zur Verfügung gestellten Betrag in P2P-Kredite zu investieren, diesen jedoch jederzeit vollständig und innerhalb von zwei Tagen komplett abrufen zu können. Die Rendite beträgt dafür zwischen 6,25 Prozent (Bondora Go & Grow) und rund 8,7 Prozent (Mintos Invest & Access).

Zwar werden diese Angebote als Tagesgeldersatz verkauft, da man jederzeit auf sein Kapital zugreifen kann. Gleichzeitig investiert man weiterhin in P2P-Kredite und hat gleichzeitig noch weniger Kontrolle über die Auswahl der Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer, während man die gleichen Risiken wie bei allen anderen P2P-Investitionen trägt (Kreditanbahner können pleitegehen, Plattformen versagen etc.).

Dieses Risiko sollte man bei aller Flexibilität nicht außer Acht lassen und auch nicht, dass man bei doch recht hohem Risiko eine vergleichsweise geringe Rendite akzeptiert. Gleichzeitig ist diese Option ein schöner und leichter Einstieg, um sich mit den Plattformen vertraut zu machen und sanft in P2P hineinzuschnuppern. 

Fazit zum Investment in P2P-Kredite:

  • 6 bis 14 Prozent Rendite sind bei P2P-Krediten realistisch
  • Wem volle Flexibilität wichtig ist, erreicht 6 bis 9 Prozent Zinsen
  • Je nach P2P-Plattform reicht das Investitionsminimum pro Kredit von 1 Euro bis 50 Euro, i.d.R. sind es 10 Euro pro Investment
  • P2P sind Hochrisiko-Investment, d.h. das komplette investierte Geld kann verloren werden
  • Die Assetklasse ist noch sehr jung und wenig erprobt, hat aber Potenzial
  • Mit P2P-Krediten investiert man börsenfern
  • Durch den geringen Mindestinvest kann man mit verhältnismäßig schmalem Geldeinsatz breit über Länder und Kreditarten diversifizieren

Meine Gastautorin Sventja arbeitet schon länger mit P2P Krediten und auf ihrem Online-Tagebuch www.richbitchproject.com lässt sie uns teilhaben an ihrem Weg zur „rich bitch“. 😉


* https://www.test.de/Girokonten-Dispozinsen-4586765-0/?mc=kurzurl.dispo


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